Brasiliens Boom: Strohfeuer oder Zeitenwende

Recherchereise nach Rio, Belo Horizonte und Sao Paulo im Januar 2013

Text: Jan Mallien

Favela-Kunst

Foto: Pauline Tillmann

Unser Besuch in der größten Favela Rios beginnt an einer Seilbahnstation. Ein Menschenpulk drängt sich vor den Gondeln an der Station im Complexo do Alemão. Aus Lautsprechern wird klassische Musik gespielt. Fast ist es wie an den musikalischen U-Bahnhöfen in München. Mit einem Unterschied: Hier im Menschenpulk vor der Gondel steht ein Polizist mit kugelsicherer Weste und Maschinenpistole.

Der Besuch im Complexo do Alemão ist die letzte Station unserer Brasilien-Reise vom 19. bis 29. Januar 2013. Mit 12 Journalisten erkunden wir in zehn Tagen die drei größten Städte des Landes: Belo Horizonte, Sao Paulo und Rio de Janeiro. Für Ökonomen gehört Brasilien zu den neuen Stars der Weltwirtschaft. Unter der Überschrift „Brasiliens Boom: Strohfeuer oder Zeitenwende?“ wollen wir rausfinden, was dahinter steckt. Weiterlesen …

Neue Projekte bei Picknick und Grill

Sommerklausur 2012: Brasilien, China und andere Reisepläne

sommerklausur_2012Am 1. September haben wir uns mit rund 15 Kolleginnen und Kollegen zur journalists.network-Sommerklausur in Berlin getroffen. Wegen des schönen Spätsommerwetters und eines kleinen Problems mit dem Schlüssel für unseren eigentlichen Treffpunkt, die taz-Dachterrasse, verlegten wir das Treffen kurzerhand in den Kreuzberger Besselpark.

Auf dem Programm standen natürlich vor allem Ideen für kommende jn-Recherchereisen. So soll es noch bis zum Jahresende 2012 nach Brasilien gehen, 2013 ist eine weitere Indienreise eingeplant. Auch China soll bald wieder auf dem Programm stehen. Darüber hinaus wurden auf der Sommerklausur ganz neue Projekte vorgestellt: zum Beispiel Reisen nach Algerien und Finnland. Außerdem freuen wir uns darauf, im kommenden Jahr eine neue Internetplattform von Journalisten für Journalisten zu starten. Vom Park aus zogen wir am Nachmittag weiter zum Landwehrkanal, wo wir die Sommerklausur beim Grillen ausklingen ließen.

Mit liebenden Augen und exklusivem Blick

Gespräch mit Charlotte Wiedemann im April 2012 in Berlin

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Fotos: Klaus Heymach

Charlotte Wiedemann hat als Auslandsjournalistin in den letzten 15 Jahren 22 muslimisch geprägte Länder bereist. Im Hintergrundgespräch am 18. April 2012 erzählte sie von ihrer Arbeit und sprach über die Perspektiven des Auslandsjournalismus.

Charlotte Wiedemann zählt zu den erfahrensten und profiliertesten freien Auslandsreporterinnen Deutschlands. Sie arbeitete zunächst als politische Korrespondentin und Redakteurin in Deutschland und lebte von 1999 bis 2003 in Malaysia. Aus dem südostasiatischen Raum verfasste sie Reportagen für die Weltwoche und GEO. Seit acht Jahren zieht es die Journalistin vor allem in „islamische Lebenswelten“, sie schrieb zahlreiche Reportagen aus Nordafrika, der Türkei, Saudi-Arabien, Syrien, Pakistan und dem Iran.

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Mit Verstärkung ins neue Vereinsjahr

Ausblick und Bilanz auf dem Jahrestreffen im Februar 2012 in Frankfurt

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Mit Verstärkung ist journalists.network in das neue Vereinsjahr gestartet. Auf der Mitgliederversammlung in Frankfurt am Main wurden die beiden Journalistinnen Tabea Grzeszyk und Sandra Zistl einstimmig in den Vorstand gewählt. Tabea Grzeszyk, 31, arbeitet als Redakteurin und Autorin für Deutschlandradio Kultur in Berlin, Sandra Zistl, 31, unter anderem bei Focus Online in München.

Die beiden Kolleginnen, die vergangenen November gemeinsam die Recherchereise nach Tunesien organisierten, wollen sich vor allem um die internationale Vernetzung des Vereins kümmern und den Austausch mit jungen Kollegen in anderen Ländern fördern. Im Vorstand sind damit von nun an sieben Mitglieder vertreten.

Organisatoren und Teilnehmer zogen am 12. Februar 2012 eine beeindruckende Bilanz der vergangenen zwölf Monate. Weiterlesen …

EURO 2012: Mehr als Fußball

Recherchereise nach Polen und die Ukraine im Januar/Februar 2012

Text: Silke Offergeld – Fotos: Pauline Tillmann

bild_1_osteuropa-2012Vier Monate sind es noch bis zum Anpfiff der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine und eine selbst für diese Region ungewöhnliche Kältewelle legt sich gerade über beide Länder – und doch erweist sich der Termin für die journalists.network-Reise dorthin als perfekt gewählt. Denn gerade jetzt ist das Warschauer Nationalstadion endlich fertig geworden und feiert einen Tag nach der Ankunft der jn-Gruppe seine Eröffnung, mit Auftritten bekannter polnischer Bands und einem riesigen Feuerwerk.

Was, wie sich herausstellt, allerdings nicht fertig geworden ist: die Einlasspässe für alle akkreditierten Journalisten. Während der eine Teil der Journalistengruppe also in der VIP-Lounge des Stadions, in der noch der Baustaub auf dem Parkett liegt, der Pressekonferenz lauscht, steht der andere Teil zusammen mit einer Reihe polnischer Kollegen bei zweistelligen Minusgraden vor einem Container an und wartet darauf, dass der Ausweis aus dem Drucker kommt.

Straffes Programm: 5 Städte in 9 Tagen

Seit Bekanntgabe der UEFA-Entscheidung, das Turnier erstmals seit dem Fall des Eisernen Vorhangs nach Osteuropa zu vergeben, kämpfen die ausrichtenden Länder der „EURO 2012“ gegen den Vorwurf an, sie seien nicht in der Lage, das Großereignis zu stemmen. Einen Eindruck davon zu bekommen, wie weit die Vorbereitungen für das Turnier tatsächlich sind, wie die Stimmung ist und wie die Zusammenarbeit beider Länder funktioniert, war Ziel der jn-Reise. Außerdem wollten wir der Frage nachgehen, was die beiden Länder eigentlich miteinander verbindet – außer dass sie das Turnier gemeinsam austragen. Die Reise führte in neun Tagen durch die fünf Städte Warschau, Lublin, Przemysl, Lemberg und Kiew, durchzogen von einem eng getakteten Programm voller Gespräche mit Politikern, Funktionären, Wissenschaftlern und Journalisten vor Ort. Die Akkreditierungs-Ausfälle am Nationalstadion waren da am Ende nur noch ein kleiner Mosaikstein im großen Ganzen. Weiterlesen …

Der Krieg der Anderen

Filmabend und Diskussion mit Martin Gerner im Januar 2012

Fotos: Klaus Heymach

Fotos: Klaus Heymach

Sitzt die Frisur? Passt die Lederjacke? Wann werde ich mich, mit Gottes Hilfe, zum ersten Mal verlieben? Auch das sind Fragen, die sich junge Männer und Frauen in Afghanistan stellen. Im Alltag am Hindukusch geht es nicht nur um Krieg und Frieden, das ist eine der Kernbotschaften des preisgekrönten Dokumentarfilms von Martin Gerner. Junge Menschen drehen hier Spielfilme, machen Radio, träumen von Demokratie – und von der großen Liebe.

Doch im nächsten Moment sind die beiden ausgebrannten Tanklastwagen im Bild, ein Greis erzählt von den toten Kindern und Cousins. Im September 2009 hatte hier ein deutscher Offizier den fatalen Befehl erteilt, zwei von Taliban entführte Tanklaster zu bombardieren. Bis zu 142 Menschen wurden dabei nach NATO-Einschätzung getötet.

„Generation Kunduz – Der Krieg der Anderen“ illustriert zwei Seiten von Afghanistan: den Krieg und den ganz normalen Alltag. Am 20. Januar 2012 zeigte der freie Afghanistan-Korrespondent Martin Gerner seinen Dokumentarfilm im Berliner taz-Café, auf einer gemeinsamen Veranstaltung von journalists.network und taz, die tageszeitung. Organisiert und moderiert wurde der Abend von jn-Mitglied Sven Hansen (taz-Auslandsredaktion). Weiterlesen …

„Keine Geschichte ist es wert, dafür in Stücke geschnitten zu werden.“

Erfahrungsaustausch mit Michael Obert im Dezember 2011

Foto: Klaus Heymach

Foto: Klaus Heymach

Der Reporter Michael Obert („Weltränder“, „Gesichter des Islam“) hat den Niger von der Quelle bis zur Mündung befahren, er hat Island bereist, Botswana, Neuguina und Afghanistan. Im Frühjahr hat der 45-Jährige die Revolution in Ägypten miterlebt, anschließend ist er nach Somalia weitergereist. Zuletzt recherchierte der Buchautor und Journalist in Zentralafrika.

Beim Gespräch im Dezember 2011 in der Berliner Orient Lounge erzählte Obert davon, wie er solche Reisen plant und wie er vor Ort recherchiert, von Reißbrett-Aufträge aus den Redaktionen, den Kosten für einen Fixer in Somalia und seinem geplanten Kino-Dokumentarfilm über einen weißen Pygmäen. Weiterlesen …

Atemlos in Indien: Unterwegs im Land der ungeahnten Möglichkeiten

Recherchereise nach Indien im November/Dezember 2011

Text: Jürgen Webermann

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Foto: Thomas Reintjes

Selig lächelnd sitzt Sri Sri Ravi Shankar auf seinem thronähnlichen Sessel. Der kleine Mann in weißem Gewand und mit langem, schwarzen Bart hat sich Zeit für uns genommen, geduldig lässt er sich fotografieren, und auch die kleinen Mikrofone stören ihn nicht. Wie auch? Sri Sri steht über den Dingen, er ist ein Guru. Und in seinem Audienzsaal, einem kreisrunden Gebäude, seinem Status entsprechend auf einem Hügel gebaut, versprüht Ravi Shankar seine ganz eigene Aura. Jede noch so kritische Frage, etwa nach den enormen Geldquellen für seinen Ashram und seine „Art of Living Foundation“ lächelt er einfach weg. Und wer nach dieser halben Stunde noch an Sri Sri zweifelt, ist spätestens danach verzückt – die schlauen Helfer des Guru haben medienwirksam zwei Elefanten vor dem Eingang des Saals platziert, die jetzt mit Bananen gefüttert werden können.

Als ob Indien nicht schon farbenfroh, verrückt, hektisch, anders genug ist. Nach mehr als einer Woche voll mit Hintergrundgesprächen, Treffen mit Managern, Autofahrten durchs nächtliche Rajasthan, Diskussionen mit 60 Landwirten, Mittagessen mit IT-Experten, Interviews mit Autobauern sowie Bankanalysten, verschiedenen Magenproblemen (die berüchtigten „Delhi-Bellies“) und wenig Schlaf bietet der „field trip“ in den Ashram von Sri Sri Ravi Shankar in der Nähe von Bangalore noch einmal ganz andere Eindrücke. Weiterlesen …

Der steinige Weg zur Meinungsfreiheit

Afghanische Journalisten diskutieren mit deutschen Kollegen

Text: Stephanie Lob – Fotos: Dirk Liesemer

Foto: Dirk Liesemer

„Die Mullahs haben immer noch ein größeres Publikum als alle afghanischen Medien.“ Das sagt Shahir Zahine, Präsident der Killid Media Group, die in Afghanistan fünf Radiosender und zwei Wochenmagazine betreibt. Die Aussage mag zugespitzt sein, aber sie verdeutlicht das Problem: Auch zehn Jahre nach dem Sturz der Taliban kämpfen Journalisten am Hindukusch noch immer um die Meinungshoheit. Über den steinigen Weg hin zu einer Mediendemokratie diskutierten am 30. November und 1. Dezember 2011 in Bonn fünf afghanische und neun deutsche Journalisten auf Einladung von journalists.network, dem Entwicklungshilfe-Dachverband VENRO und dem freien ARD-Autor und Afghanistan-Korrespondenten Martin Gerner, der die Veranstaltung auch moderierte. Weiterlesen …

Arabische Frühlingsgefühle zehn Monate nach der Revolution

Recherchereise im November 2011 nach Tunesien

Text: Monika Bolliger – Fotos: Dirk Liesemer

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Auf der Avenue Bourguiba in Tunis, von der Anfang des Jahres Bilder protestierender Tunesier um die Welt gingen, ist Ruhe eingekehrt. Der Alltag nimmt seinen Lauf, nur der Stacheldraht vor öffentlichen Gebäuden erinnert an die Ereignisse vom Januar, als die Tunesier ihren langjährigen Diktator Zine al-Abidine Ben Ali in die Flucht trieben. Der Reiseleiter und Deutschlehrer Mouldi Hammami lässt die Ereignisse der Revolution Revue passieren, als er uns von der Avenue Bourguiba zur Place de la Kasbah führt. Hier blättern inzwischen die Wahlplakate von den Mauern ab. Die unter Ben Ali verbotene islamistische Partei an-Nahda hat bei den ersten freien Wahlen seit der Unabhängigkeit 41 Prozent der Sitze erhalten und damit bei den Wahlen in die verfassunggebende Versammlung weitaus am besten abgeschnitten. Und nun fragen sich viele, ob eine islamistische Partei, die eine Demokratie auf der Basis eines republikanischen Rechtsstaates aufzubauen gedenkt, nicht ein Widerspruch in sich selbst ist. Weiterlesen …