Die Waffen schweigen, der Konflikt geht weiter – Kolumbien nach dem Friedensabkommen mit der Farc-Guerilla

Recherchereise nach Bogotá, Popayán und in die Grenzregion La Guajira vom 4. bis 15. Mai 2020

Foto: Thomas Wagner

Der Widerstand gegen den konservativen kolumbianischen Präsidenten Iván Duque wächst. Gewerkschaften und soziale Aktivisten rufen seit November 2019 zu Generalstreiks auf. Dabei kritisieren sie unter anderem die mangelhafte Umsetzung des Friedensabkommens mit der Farc-Guerilla, das im November 2016 unterzeichnet wurde.

Im Ausland damals bejubelt, wurde der Vertrag von vielen Kolumbianerinnen und Kolumbianern von Anfang an abgelehnt. Die schlimmsten Zeiten des bewaffneten Konfliktes mögen vorbei sein, dennoch werden weiterhin soziale, politische und Umweltaktivisten getötet. Frühere Rebellen sind mittlerweile enttäuscht. Hunderte von ihnen greifen erneut zu den Waffen. Ist das Abkommen also gescheitert?

Ungeachtet der schwierigen politischen Lage hat die kolumbianische Demokratie auch eine erstaunliche Widerstandskraft bewiesen. In den vergangenen vier Jahren hat das Land Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland Venezuela aufgenommen. Obwohl die Neuankömmlinge nun einkommensschwachen Kolumbianerinnen und Kolumbianern im informellen Sektor Arbeitsplätze streitig machen, waren fremdenfeindliche Übergriffe bislang der Einzelfall.

Themen

Während unserer Zeit in Kolumbien wollen wir recherchieren, wie sich ehemalige Guerilla-Kämpferinnen und -Kämpfer in die Gesellschaft reintegrieren. Wir planen hierfür den Besuch eines Tourismusprojekts in der Grenzregion La Guajira, das von ehemaligen Farc-Mitgliedern aufgebaut wird. In der südkolumbianischen Stadt Popayán wollen wir eine Kaffeekooperative besuchen, die sich für den Friedensprozess und den Umweltschutz engagiert.

Zudem wollen wir erfahren, wie Venezolanerinnen und Venezolaner mittlerweile in Kolumbien leben und wie die kolumbianische Gesellschaft auf die Migranten reagiert. Welche Projekte und Kooperationen sind entstanden, aber auch welche Probleme? Dazu planen wir neben Hintergrundgesprächen auch den Besuch eines Auffanglagers.

Darüber hinaus werden wir Projekte besuchen, die sich um Nachhaltigkeit und Klimaschutz drehen. Unter anderem wollen wir wissen, wie die indigene Bevölkerung von den Auswirkungen des Kohleabbaus und des Klimawandels betroffen ist.

Bewerbung

Die Reise findet vom 4. bis 15. Mai 2020 statt. Teilnehmen können neun Kolleginnen und Kollegen, die nicht älter als 39 Jahre sind. Wer von einer Redaktion geschickt wird oder hauptsächlich für diese Beiträge verfasst, zahlt 850 Euro. Selbstzahler, Volontäre und Journalistenschüler zahlen 750 Euro. In den Kosten enthalten sind der Flug von Frankfurt nach Bogotá und zurück, Inlandsflüge, Bustransfers sowie die Unterkünfte im Doppelzimmer mit Frühstück.

Bewerbungsschluss ist der 4. März 2020. Aus der Bewerbung sollten die beruflichen Schwerpunkte und die persönliche Motivation hervorgehen, in Kolumbien zu recherchieren. Neben Lebenslauf und maximal drei Arbeitsproben bitten wir darum, zwei Recherchethemen zu skizzieren, die auf der Reise umgesetzt werden sollen. Wir werden versuchen, einige Themenvorschläge der ausgewählten Reise-Teilnehmer in das offizielle Programm einzubauen.

Die Bewerbungsunterlagen sind in Form einer PDF-Datei an kolumbien@journalists-network.org zu schicken. Eine Rückmeldung gibt es wenige Tage nach Ende der Bewerbungsfrist. Die Bedingungen für die Teilnahme an unseren Reisen – auch was den Versicherungsschutz angeht – finden sich hier.

Journalists.network e.V. organisiert seit fast 25 Jahren Recherchereisen für junge Kollegen, um zum Verständnis fremder Länder beizutragen und den journalistischen Nachwuchs in der Auslandsberichterstattung zu fördern. Unser Verein lebt vom ehrenamtlichen Engagement. Deshalb erwarten wir von den Teilnehmern aktive Beteiligung. Wir freuen uns, wenn über die Reise hinaus Interesse besteht, sich in unserem Netzwerk zu engagieren.

Mit der Bewerbung erklären sich die Teilnehmer damit einverstanden, dass ihre Daten gemäß DSGVO durch journalists.network e.V. zum Zwecke der Durchführung des Projekts „Recherchereise nach Kolumbien“ verarbeitet werden.

Organisation

Finanziell unterstützt wird die Reise von Caritas international, Misereor, Gepa und Kärcher. Die Organisatoren sind Madlen Haarbach (freie Journalistin beim Berliner Tagesspiegel), Christina Pulido Lopez  (Online-Redakteurin bei der Rheinischen Post) und Thomas Wagner (freier Autor und Fotograf, Bogotá). Bei Fragen zur Reise sind die Organisatoren unter kolumbien@journalists-network.org erreichbar. Weitere Informationen finden sich auf unserer Website sowie bei Twitter und Facebook.